Menu
Menü
X

"Suche Frieden und jage ihm nach!"

https://pixabay.com/de/users/truthseeker08-2411480/

Diese Aufforderung wird uns durch das Jahr 2019 als Jahreslosung begleiten. Seit biblischen Zeiten sehnen Menschen sich nach Frieden. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs dürfen wir hier in Deutschland in Frieden leben. Was für eine Gnade! Wie groß diese Gnade wirklich ist, können vermutlich nur diejenigen einschätzen, die den letzten Weltkrieg noch miterlebt haben oder die an anderen Orten dieser Erde Kriegserfahrungen machen mussten. Würden wir uns mehr für den Frieden auf dieser Erde einsetzen, uns mehr um Kriegsflüchtlinge kümmern, wenn wir selbst erfahren hätten, wie schrecklich und zerstörerisch Krieg ist? Würden wir, wenn wir selbst Krieg erfahren hätten, hinnehmen, wie viel Rüstungsgüter Deutschland exportiert? Wie wichtig wäre uns die Argumentation mit den Arbeitsplätzen, die die Rüstungsindustrie sichert, wenn wir zerbombte Städte und Minen-zerfetzte Menschenleiber aus eigener Erfahrung kennen würden?

Wenn wir die Liste der Kriege auf der Welt seit 1945 in einem Lexikon nachschlagen, kommen wir auf weit über 100 und erfahren, dass seit Ende des Zweiten Weltkriegs 25 Millionen Menschen durch Kriege gestorben sind. Für uns hier in Deutschland sind diese Kriege weit weg. Bilder in den Nachrichten und viel zu oft noch nicht einmal das, weil die Weltöffentlichkeit keine Notiz von einem Krieg nimmt. Nur wenige Kriegsflüchtlinge schaffen es bis nach Deutschland.

Wir können hier in Frieden leben, ohne Angst vor Bomben, Minen, Chemiewaffen, Folter, Massenvergewaltigung als Kriegsstrategie, Zwangsrekrutierung. Womit haben wir das verdient? Durch nichts! Es ist nicht unser Verdienst. Wir hatten einfach nur das Glück am richtigen Ort geboren zu sein.

Und wir hatten das Glück, dass bislang hier bei uns die Konflikte nicht – sei es geplant oder zufällig – in einen Krieg gemündet sind. Wie schnell sich das ändern kann und wie gefährdet der Frieden auch bei uns ist, das wird uns angesichts der derzeitigen politischen Entwicklungen gerade erst wieder bewusst.

Die Jahreslosung ruft uns ins Gedächtnis, dass wir die Verantwortung für den Frieden hier und überall auf der Welt, nicht einfach delegieren können. Wir selbst sind aufgefordert, den Frieden zu suchen und ihm nachzujagen. Das verlangt Einsatz und Engagement. Frieden fällt nicht einfach vom Himmel, sondern muss – mit Gottes Hilfe – auf der Erde geschlossen, gesichert und verteidigt werden. Wie? Durch Ausgleich von Interessen, durch Achtung der Würde des Gegenübers, durch Eingehen auf die Bedürfnisse der anderen, durch ein Handeln das die Zu-frieden-heit aller im Blick hat, durch ein Eintreten für Gerechtigkeit und durch Solidarität mit den Leidenden. Oder – etwas biblischer ausgedrückt – wir können zum Frieden beitragen, indem wir uns an Jesus orientieren. Jesus kannte unsere Jahreslosung 2019 bestimmt in ihrem Zusammenhang (Psalm 34,14-15):

14 Hüte deine Zunge vor Bösem

und deine Lippen vor trügerischer Rede.

15 Meide das Böse und tue das Gute,

suche Frieden und jage ihm nach.

Die Zunge hüten, das Böse meiden, Gutes tun, versuchen Frieden zu stiften, dem Frieden nachjagen – wir haben einiges zu tun im Jahr 2019. Gott sei Dank gehen wir in der Gewissheit in das neue Jahr, dass Gott bei uns ist, am Morgen und am Abend und ganz gewiss immer dann, wenn wir uns für den Frieden einsetzen.

Ihre Pfarrerin Hanne Köhler

top