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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

erinnern Sie sich noch an den vergangenen Herbst? Die 3. Welle, der „Lockdown light“, ab 16. Dezember dann wieder der komplette Lockdown: Geschäfte, Schulen und Kitas geschlossen, Kontakte beschränkten sich auf max. eine weitere Person... Heilig Abend feierten wir dann auch mit einigen wenigen im strömenden Regen auf dem Parkplatz. Danach ging es zurück in unsere leeren Wohnungen, in denen niemand auf uns wartete. Irgendwie haben wir diese Zeit hinter uns gebracht. Und heute? Ein Jahr später?

Viele, viele Menschen haben sich zum Schutz der anderen und zum eigenen impfen lassen. Einige möchten das nicht, haben Angst vor den Nebenwirkungen. Impf-Nebenwirkungen? Ja, ganz sicher gibt es die: wir können wieder von Angesicht zu Angesicht miteinander reden und müssen die Gefühlslage des Gegenüber nicht mehr nur erraten. Wir dürfen wieder miteinander singen und Gemeinschaft teilen. Wir können einander wieder in die Arme schließen und trösten. Wir dürfen uns wieder auf die Nähe anderer Menschen einlassen.

Aber auch diese Nebenwirkung hat die Impfung: eine tiefe Spaltung geht durch Gesellschaft und Familien: ja oder nein? Festgefahrene Meinungen treffen unversöhnlich aufeinander. Scheinbar unüberbrückbar ist der Graben. Das aber kann und will ich nicht glauben, dass es da keinen Weg gibt, keine Möglichkeit wieder zusammen zu finden.

Vor langer, langer Zeit schrieb der Prophet Jesaja: Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen (Jes. 11,1) Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN.
Sicher kennen 
Sie diese Worte aus den Weihnachtstagen.

Der Prophet schrieb seine Worte damals in einer für sein Volk scheinbar ausweglosen Situation. Die Gesellschaft geteilt, die Gemeinschaft zerstört und ein Weg zurück scheint in weiter Ferne. Der Prophet erinnert sich an die Zusagen Gottes, an sein Versprechen, dass Katastrophen nie das letzte Wort sind. Er greift ein Bild aus der Natur auf: ein alter, trockener Holzstrunk steht da und doch wird er die Zukunft bringen es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm… – eine kleine grüne Spitze wird sich durch die Rinde hindurch Bahn brechen und das neue Leben hervor bringen. Ein Hoffnungsbild, dieser kleine grüne Zweig. Daran möchte ich gerne festhalten in diesen, unseren Zeiten. An der Hoffnung, dass sich die Dinge doch ändern und die Menschen doch wieder zusammen finden werden – allem Trennenden zum Trotz. Die Trennung soll nicht das letzte Wort haben. Der Weg zueinander, er beginnt mit ganz kleinen Schritten.

Im weihnachtlichen Bild beginnt dieser Weg mit dem Kind in der Krippe: klein, zart, unbeholfen, zerbrechlich. Es zeigt uns, dass es diesen Weg gibt. Diese Hoffnung aber, die uns jedes Jahr wieder neu vor Augen gestellt wird, überwindet alle Hindernisse.

Möge diese Hoffnung uns tragen und begleiten alle Tage.

Ich wünsche Ihnen und euch ein frohes Fest und ein gesegnetes neues Jahr

Ihre und eure Pfarrerin Heike Hiess

 

 

 

Text: Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart - Grafik: © GemeindebriefDruckerei

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